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         Onkel Paul

       

Zu der Todesanzeige PAUL BADER gehört folgende Geschichte:

Im  Frühjahr  1946  schellt es bei uns, bei Bader in Eving.
Onkel  PAUL steht vor unserer Tür und begehrt Einlass.
Fassungslos, erstaunt öffnen wir die Tür, lassen den angeblich
Toten eintreten. Onkel Paul, der Bruder meines Vaters lebt.
Er ist nicht tot. Dann erzählt er uns seine Geschichte.

Seine Gruppe war auf dem Rückmarsch in ein Bauernhaus
geflüchtet. Als die Russische Armee wieder angriff, erhielt
er einen Kopfschuss durch den Helm. Seine Kameraden
dachten, er sei tot. Sie nahmen seine Persönlichen  Sachen
und brachen seine Kennnummer  ab. Dann flüchtete die Gruppe.

Für Volk und Vaterland gefallen, erhielt Tante Agnes die Nachricht.
Gewehr- Kolbenstösse erweckten mich aus meiner Ohnmacht.
Erzählt Onkel Paul weiter. Russische Soldatinnen hatten ihn
gefunden und veranlassten seinen Abtransport in ein Feldlazarett.

Da die deutschen Truppen verbrannte Erde zurückgelassen hatten,
war in dem Gefangenlager Schmalhans Küchenmeister.  Onkel Paul
wurde zusehends immer kränker und darum bald aus der Gefangenschaft
entlassen. Nicht  möglich  war es mit den Angehörigen Verbindung aufzunehmen.
So kam es, das er unverhofft an seiner Wohnungstür, in Dortmund, schellte und
seine Frau ( Tante Agnes ) fast in Ohnmacht  fiel. Sie war nämlich mit einem
anderen Mann fast neu verheiratet. 

Wie das dann mit der Ehe weiterging entzieht sich meiner Kenntnis.
Oder habe ich vergessen..
Ich kann nur soviel sagen, dass er seine Arbeit bei HOESCH auf dem Kran
im Martinwerk wieder aufnahm. Ich habe ihn dort 1947 manchmal besucht.
Ich war nämlich nicht weit davon, bei einer Firma auf Kaiserstuhl 2 beschäftigt.
Sowie ich Zeit hatte, bin ich dann mal eben rüber zum Onkel Paul in die Kran-
Kabine wo wir uns unterhalten haben.

                                             Soviel dazu, im Jahre des Herrn  2005

PS. Die  Anzeige ist mir vor wenigen Tagen erstmalig zu Gesicht gekommen.